Erziehung ist wichtig – auch zu Corona-Zeiten

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Seit zwei Jahren befinden sie sich auf unserer Golfanlage. Jeder hat sie schon bewusst oder unbewusst wahrgenommen. Sie tragen Namen wie, Westfälischer Gülderling, Paderborner Seidenhemdchen, Tannenkrüger oder Madame Verte. Sie sind Hotspots der Artenvielfalt und bereichern das Landschaftsbild. Gemeint sind unsere Streuobstwiesen.

Was ist eigentlich eine Streuobstwiese?

Es ist ein Areal, auf dem hochstämmige Obstbäume verschiedener Arten (u.a. Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche) und Sorten (u.a. Roter Boskop, Gellerts Butterbirne, Hauszwetschge, Große Prinzessin Kirsche) wachsen. Die Kronen der Bäume setzen etwa in 1,8 Meter Stammhöhe an. Der Boden unter den Bäumen ist in der Regel Grünland, das extensiv als Wiese oder Weide genutzt wird. Der Untergrund auf unserem Golfplatz ist als Blühwiese angelegt. Gerade diese Kombination aus großkronigen Obstbäumen und der Blühwiese ist ein Garant für eine große Artenvielfalt dieses einzigartigen Lebensraumes – ein Biotop, das zudem auch noch ein farbenprächtiger Blickfang ist.

Noch Mitte des letzten Jahrhunderts gehörten Streuobstwiesen häufig zu landwirtschaftlichen Betrieben und dienten der Versorgung mit Obst. Das war einmal…! Niederstammplantagen, auf denen Obst kostengünstiger angebaut werden kann, hielten Einzug. Die Folge war das Abholzen von hochstämmigen Obstbäumen. Dieses Vorgehen wurde sogar durch EG-Prämien unterstützt. Doch in den letzten Jahren findet ein Umdenken der verantwortlichen Behörden von Bund und Ländern statt. Aber auch das Gedankengut in der Bevölkerung verändert sich. Der Verbraucher ist wieder an biologisch hochwertigen Lebensmitteln interessiert. Unbelastetes Obst mit einem ausgeprägten aromatischen Geschmack und hohem Gesundheitswert stehen ganz oben auf seiner Einkaufsliste. Des Weiteren konnten Naturwissenschaftler in Bezug auf Äpfeln belegen, dass „alte“ Apfelsorten einen höheren Polyphenolgehalt aufweisen, als „neue“ Apfelsorten. Dieser Inhaltsstoff wurde den neuen Züchtungen zu Gunsten ihres Aussehens und einem süßeren Geschmack weggezüchtet. In Studien konnte bewiesen werden, dass Apfelallergiker „alte“ Apfelsorten, im Gegensatz zu „neuen“ Apfelsorten, aufgrund ihres hohen Polyphenolgehaltes gut vertragen. Darüber hinaus werden die Polyphenole auch wegen ihrer antioxidativen Wirkung geschätzt. Antioxidantien haben einen positiven Einfluß auf das menschliche Immunsystem und werden zum Kampf gegen freie Radikale benötigt. Außer diesen positiven Effekten für die menschliche Gesundheit, ist eine Streuobstwiese ein Lebensraum und eine Nahrungsquelle für viele, zum Teil gefährdeter, Tiere und Pflanzen. Hier sind vor allem Insekten, Vögel und Amphibien zu nennen.

Streuobstwiesen werden in der „Roten Liste Nordrhein-Westfalens“ als stark gefährdet eingestuft. Die Lage ist also ernst. Umso mehr können wir uns freuen, dass unser Sportgelände gleich zwei dieser gefährdeten Areale aufweist.

Im einstigen Rough zwischen den Spielbahnen 14 und 15 sind 14 und zwischen den Spielbahnen 15 und 18, insgesamt 30 Obstbäume angepflanzt worden. Erfreulicherweise sind alle gepflanzten Baumarten „angegangen“. Dieses verdanken wir nicht zuletzt unserem Greenkeeper-Team, das in den beiden letzten heißen Sommern jeden einzelnen Baum unermüdlich bewässert hat. Zusätzlich wurden Stützpfähle angebracht, um die jungen Bäume vor dem Wind zu schützen und ein gerades Wachstum zu gewährleisten. Jeder Baum erhielt ein Namensschild, auf dem der Interessierte die Baumart und -sorte erfährt.

Bei der Sortenauswahl wurde von den Verantwortlichen für dieses Projekt vor allem auf „alte“ und hier heimische Obstsorten zurückgegriffen.
Die Akteure, die auf den Streuobstwiesen wachsen sind Kulturpflanzen und bedürfen einer Pflege und Beobachtung. Hierzu gehört auch der Obstbaumschnitt. Nur wenn die Bäume fachgerecht geschnitten werden, können sie ein tragfähiges Kronengerüst entwickeln, qualitativ gutes Obst liefern und ein hohes Alter erreichen. Darüber hinaus bieten sie dann einen hohen ökologischen Wert.

In diesem Frühjahr war es so weit. Der erste Schnitt, ein „Erziehungsschnitt“ war fällig und so konnten wir Dieter Broll dazu gewinnen, unsere Präsidentin Petra Fischer, den Platzbeauftragten Uli Holt sowie den Naturschutzbeauftragten Dr. Wilhelm Mailänder, in die Technik des Obstbaumschnitts einzuweisen. Herr Broll ist Mediziner, Imker und Experte auf dem Gebiet der Obstgehölze. Mit seiner Hilfe und unter seiner Aufsicht wurden alle Obstbäume dem legendären „Oeschbergschnitt“ unterzogen. Dieser spezielle Schnitt ist eine Methode zur Erziehung großkroniger Obstbäume, der bereits in den 1920er Jahren von Hans Spreng an der Kantonalen Obst- und Gartenbaumschule im schweizerischen Oeschberg entwickelt wurde. Das langfristige Ziel ist die Schaffung eines stabilen Kronengerüstes. Hierzu werden ein Mitteltrieb und drei bis vier Leittriebe mit flachem Abgangswinkel vom Stamm bestimmt, die in der Zukunft durch weitere Schnitte gestärkt werden. So erhält der Baum bis ins hohe Alter hinein einen gut gebauten, kräftigen, pyramidalen Habitus.

Freuen wir uns auf ein jährliches Blütenmeer und in den nächsten Jahren auf ein reichhaltigen Obstangebot mit gesunden und leckeren Früchten!

Dr. Wilhelm Mailänder
(Naturschutzbeauftragter)

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